Am frühen Morgen, noch bevor der Lärm des Alltags beginnt, bereiten sich in China die Menschen jeden Alters in Parks und Anlagen mit den Körperübungen alter Traditionen auf ihr Tagwerk vor. Die einen sieht man in rhythmischen Streckbewegungen, andere üben die außergewöhnlich langsamen Bewegungen des Tai Chi Chuan. Unter all den Formen der Bewegung entdeckt man hier und da Übende, die unsere Aufmerksamkeit noch mehr fesseln. Sie sind wie die Bäume selbst: voller Leben - gleichzeitig aber vollkommen still. In China ist das als das Chi Kung-System "Zhan Zhuang - Stehen wie ein Baum" bekannt.
Chi Kung (ausgesprochen: "Tschi Gung") heisst wörtlich übersetzt "Energie Übung". Das klassische Schriftzeichen für Chi besteht aus zwei Elementen. Oben sind fünf Striche, die einen Topf mit Griff symbolisieren. Unten sind vier Striche, die wie kleine Flammen flackern. Das gesamte Zeichen repräsentiert das Kochen über einem offenen Feuer. Die Kalligrafie ist eine exzellente Veranschaulichung der Transformation von Energie.
Unter diesem Oberbegriff sind viele, in Methode und Vorgehen sehr unterschiedliche Systeme, zusammengefasst. Was sie vereint ist jedoch das Ziel den Energiefluß im Körper zu stimulieren, damit er wirkungsvoll durch das gesamte Netzwerk seiner Bahnen - der Meridiane - strömt. Im Tao Te King des Laotse, der klassischen Schrift des Taoismus, steht dazu:

Alleine stehst du und unwandelbar
und nimmst alle Geheimnisse wahr,
gegenwärtig in jedem Augenblick und in unendlichem Fließen:
dies ist das Tor zu unbeschreiblichen Wundern.